Trainingslager der Radgruppe „Speed-Biker“

Trainingslager der Radgruppe „Speed-Biker“

vom 08.04.2017 – 15.04.2017 in Cesenatico/Italien

Nach 5 Jahren Abstinenz war es für mich an der Zeit unser Trainingslager mal wieder in Cesenatico  in der Emilia Romagna, bekannt als Heimatort und Trainingsrevier des verstorbenen Radprofis Marco Pantani, abzuhalten. Hierzu haben wir uns im Hotel David, Schwesterhotel des bei Radlern bestens bekannten „Hotel Lungomare“, unmittelbar am Strand gelegen, einquartiert. Alle drei zum „Lungomare“ gehörenden Hotels waren bis unter das Dach belegt mit Radsportlern aller Kategorie sowie deren Begleitpersonen. Der gut gesicherte Radkeller im „Lungomare“ war überfüllt mit Top-Rädern, bei denen einem schon das Wasser im Mund zusammenlief. Aber wichtig ist ja wer drauf sitzt.Das Hotel bot insgesamt 5 Trainings-/Radgruppen mit einheimischen Guides für unterschiedliche Leistungsklassen an. Am Vorabend vor jeder Ausfahrt hing im „Lungomare“ für jede Gruppe eine Karte mit den wichtigsten Daten und dem Höhenprofil ihrer Strecke aus. Für die Teilnahme musste man sich dann in die Liste der jeweiligen Gruppe eintragen. So war auch ein Gruppenwechsel problemlos möglich.Nachdem Jung-Junior auf Grund Lern- und Prüfungsstress kaum trainiert hatte (immer diese Ausreden) entschlossen wir uns für die Gruppe 2-SANGIOVESE (Beschreibung Hotel: „Der „Sangiovese“ ist der typische Wein der Romagna, mit starkem, charakteristischem Körper – genau wie diese Gruppe. Die Durch-schnittsgeschwindigkeit beträgt 24 – 27 km/h und verlangt gut durchtrainierte Beine. Wir empfehlen sie den Radsportlern, die das Pedalieren gewöhnt sind und denen auch Anstiege keine Schrecken einjagen“).Abschließend betrachtet war die Gruppe für uns vom Tempo her passend, da wir immer locker mitfahren konnten und nicht an unsere Grenzen mussten. An den Anstiegen kurbelten wir „zwei Roten“ aber immer locker voraus. Das brachte uns Anerkennung aber auch so manchen „neidischen“ Kommentar. Unsere Antwort darauf war immer: beim SC Sig-dorf fahren alle so (ok, vielleicht fuhren wir manchmal einen Tick zu lässig, aber ein bisschen Stärkezeigen muss halt sein). Auf den letzten ebenen 20 km sammelten sich die meist schwächeren Bergfahrer an der Spitze und knallten mit Vollgas zum Hotel. Junior hielt sich dabei immer in 2. oder 3. Reihe auf, während ich dann vorsichtshalber immer am Ende der Gruppe fuhr. Durch den berüchtigten „Ziehharmonika-Effekt“ musste ich ständig die Löcher zu den Vorderleuten zu fahren, was am Ende einer Tour nicht gerade spaßig ist.

Samstag, 08.04.2017

Nach einer frühen Anfahrt über Bregenz – Chur – San Bernardino – Mailand trafen wir am frühen Nachmittag in Cesenatico ein. Es war warm und die Sonne strahlte am blauen Himmel (übrigens die ganze Woche über).Nach dem Einchecken ging es gleich auf eine Einrollrunde zu den nahen Hügeln.

Daten: 51 km – ? hm – 22Grad/sonnig

Sonntag, 09.04.2017 „Hügeltour mit Blick zum Meer“

Die Tour war eine lockere Runde mit mehreren kurzen sowie einem längeren Anstieg hinauf nach Savignano del Rubicone. In unserer Gruppe befanden sich hauptsächlich Radler aus der Nähe von Fulda, welche mit einem großen Reisebus mit Fahrradanhänger angereist waren, sowie einer ebenfalls größeren Gruppe aus dem Freiburger Umland. Es fuhren auch ein paar Frauen dabei, welche sehr gut auf dem Rad saßen.

Daten: 91 km – 750 hm – 23 Grad/sonnig

 

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Montag, 10.04.2017 „Charmante Schlösser und Dörfer“

                                            

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Da die Gruppe am Vortag doch sehr groß war, wurde sie unterteilt. Wir fuhren in 2b mit und starteten 15 Minuten nach 2a. In Teodorano trafen sich beide Gruppen zur Cappucchino-Pause. Nach der Pause hatte ausgerechnet unser neuer Guide Franco einen Platten (übrigens der Einzige in unserer Gruppe während der ganze Woche). Aber wie von einem Einheimischen nicht anders zu erwarten war der Reifen ruck-zuck gewechselt.Tages-Höhepunkt war die Auffahrt zum Monte Cavallo. Gleich zu Beginn des Anstiegs zog Gaby aus Heilbronn davon. Das kam ziemlich überraschend und wir schauten zuerst uns und dann ihren Mann Gerald fragend an. Dieser grinste nur leicht und zuckte mit den Achseln. Die Frau (geschätzt auf Ende 50) hatte offensichtlich ordentlich Dampf in den Beinen (später erfuhren wir, dass sie Mitglied der Triathlon-Nationalmannschaft war und an Ironman-Rennen teilnahm). Aber das ging nun gar nicht. Ein kurzer Blick zu meinem Junior und wir jagten Gaby zusammen mit 2 anderen aus der Gruppe hinterher. Nachdem wir sie „gestellt“ hatten fuhren wir dann gemeinsam in einem guten, gleichmäßigem Tempo Richtung Gipfel. Hin und wieder schob ich mein Vorderrad etwas vor, um zu zeigen wer das Tempo bestimmt. Außerdem fing ich beim Hochradeln eine kleine Unterhaltung an. So ließ ich die Anderen merken, dass ich noch nicht ins Schnaufen kam und noch zulegen konnte (immer diese Psycho-Spielchen).Nach der Ankunft im Hotel gönnten wir uns eine kleine Abkühlung in der Adria.

 

Daten: 102 km – 997 hm – 25 Grad/sonnig

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Dienstag, 11.04.2017 „Eine Fahrt zum Bauernhof“

 

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Der heutige Tag hatte eine Überraschung für uns. Zuerst steckten sie uns in die Sprizz-Gruppe (Gruppe 1) und das Tempo bewegte sich den ganzen Tag über auf einem anderen Niveau (Durchschnitt 30 Km/h).Die zweite Überraschung war die Mittagspause auf einem Bauernhof. Dort trafen sich alle Trainingsgruppen sowie die nichtradelnden Hotel-Gäste. Beschreibung des Tagesausflugs: „Termin mit ROMAGNA ZWISCHEN KUNST UND GESCHMACK! Ein Ausflug, der eine Pause in einem Bauernhof vorsieht mit kostenloser Probe der typischen Produkte, wie Piadina, Käse, Salami und Süßspeisen“). Außerdem gab es Wasser, Weiß- und Rotwein und andere Leckereien (30 Jahre alter Balsamico-Essig auf Weißbrot).Die Pause war reichlich lang und ich fand danach lange meinen Rhythmus nicht (was aber nicht am Wein lag!). 

Daten: 101 km – 816 hm – 25 Grad/sonnig

 

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Mittwoch, 12.04.2017 „Auf der Suche nach Pantani“

 

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Diese Tour führte uns auf die Spuren von Marco Pantani. U.a. fuhren wir zum Pantani-Gedächtnisfelsen auf dem Montevecchio (Bild u.li.). Unser Guide Elio trainierte während Pantanis Amateurzeiten regelmäßig mit ihm (dazu später mehr) und begleitete ihn während dieser Zeit auch als Mechaniker zu Rennen. Auf der Tour unterhielt er uns mit Anekdoten zu Pantani und zeigte uns eine wirklich tolle Strecke.Nach der Tour fuhren Junior und ich noch zum Pantani-Denkmal an der Strandpromenade von Cesenatico.

Daten: 102 km – 1.176 hm – 19-23 Grad/zunächst wolkig dann sonnig

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Donnerstag, 13.04.2017 „Eine Fahrt nach außerhalb und zurück“

 

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Die Fahrt nach „außerhalb“ führte in die Republik San Marino. San Marino ist die älteste bestehende Republik der Welt, umfasst 60qkm und gehört mit rund 30.000 Einwohnern zu den reichsten Ländern der Welt. Den Felskamm des zum UNESCO-Welterbe gehörenden Monte Titano krönen die drei Festungen Guaita, Cesta und Montale.Ich war mit dem Rad schon mehrmals in San Marino und dachte ich kenne alle Anfahrtswege/Anstiege zum Felskamm hinauf, aber diese Route war neu für mich. Sie ist eindeutig die ruhigste und schönste. Wieder was dazugelernt.Nach der Tour machten wir zwei noch einen Abstecher zum Hafen von Cesenatico (wir wollten die 100km voll machen).  

Daten: 102 km – 1.033 hm – 25 Grad/sonnig

 

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Freitag, 14.04.2017 „Der härteste Aufstieg von 9 Hügeln“

                                          

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Zum Abschluss der Trainingswoche gab es mit dem „Col de Barbotto“ (4,6 km Länge, 7% Durchschnittssteigung, 18%, max. Steigung, letzter km komplett 15%) noch ein Schmankerl (sozusagen ein „must to do“). Der „Barbotto“ ist der 4. und auch der härteste/gefürchtetste von den insgesamt 9 Hügeln des legendären Radmarathons „Nove Colli“ (www.novecolli.it) und gehörte zu den drei Trainingsanstiegen von Marco Pantani. Die Anfahrt war zunächst locker, aber je näher wir dem Einstieg kamen, desto ruhiger wurden die Gespräche und konzentrierter die Haltung auf dem Rad.Kurz zusammengefasst, der „Barbotto“ hielt was er verspricht und alle kamen erschöpft aber zufrieden über die eigene Leistung oben an.Unser 72jähriger Guide Elio zeigte mir im steilsten Stück meine Grenzen auf. Junior und ich gingen nach einer P-Pause als Letzte in den Anstieg und rollten das Feld von hinten auf. Ich gab weiter Vollgas und ließ auch meinen Sohnemann stehen. 2km vor dem Ziel hatte ich Elio vor mir. Ich überholte auch ihn und zog zügig vorbei. Der Typ war mir nicht ganz geheuer, aber nachdem ich etwa 300m Abstand zwischen uns gelegt hatte, glaubte ich „der Drops sei gelutscht“. Dann hörte ich ihn schalten und mir schwante gleich, dass das für mich nichts Gutes bedeuten würde. Kaum ausgedacht, zog er mit einem Tempo an mir vorbei, dass ich den Eindruck hatte ich würde stehen. Ok, Thema durch, ich bin schon 55 und er erst 72 Jahre alt. Man sollte halt die Einheimischen nicht reizen.Oben befindet sich eine kleine Bar, wo wir die obligatorische Cappucchino-Pause einlegten. Danach ging es wellig mit einigen kurzen, aber steilen Anstiegen über einen Teil der Marathon-Strecke „Nove Colli“ nach Sogliano del Rubicone und dann aus den Hügeln hinaus zurück zum Hotel.

Daten: 104 km – 981 hm – 24 Grad/sonnig

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Samstag, 15.04.2017

Für heute stand keine Fahrt mehr auf dem Programm. Nach einem ausgiebigen Frühstück packten wir unsere Räder und Klamotten ins Auto und fuhren heimwärts.

 

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Bericht von Thomas Jung SC- und Cesenatico-Guide (und Fan)

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